Von Königen und heiligen Frauen

Heute gehen die Raunächte zu Ende. Diesen zwölf Tagen vom Weihnachtstag (25.12.) bis zum Fest der Erscheinung des Herrn (6.1.) wird im europäischen Brauchtum besondere Bedeutung zugemessen. Der Glaube etwa, dass die Raunächte für das Befragen von Orakeln oder das Wahrsagen besonders geeignet seien, wird in Form des Bleigiessens vielerorts nach wie vor gepflegt. Und auch für das Wetter der folgenden zwölf Monate sollen die Raunächte bestimmend sein.

Ja, das liebe Wetter!

Unser Schicksal ist eng damit verknüpft. Und ihr Schicksal hat die Menschheit seit jeher beschäftigt… Die alten Griechen kannten die Lebensfäden spinnenden drei Parzen, welche über die Geschicke des Menschen entschieden. Die Normannen nannten sie Nornen.

Bei den Kelten übernahmen diese Aufgabe die drei Bethen, die in den Worten «Gebet» und «beten» weiterleben.

Die drei Bethen

Ambeth, Borbeth und Wilbeth treten am Ende der Raunächte und insbesondere in der Nacht zum und am 6. Januar in Erscheinung. Die keltische Göttinnen-Triade wurde später christlich in drei Märtyrerinnen, die sogenannten «drei heiligen Madln» umgedeutet und fand ab dem 9. Jahrhundert eine weitere Entsprechung in den heiligen drei Königen, die nach «Beth»-lehem ziehen, um das Christkind zu begrüssen.

Mosaik der heiligen drei Könige, die in den Fusstapfen der Bethen wandeln (© Sabine/Pixabay)

BEDEUTUNG & NACHFOLGER:INNEN

Ambeth (Anna/Margarethe, Balthasar)

Drei Bethen in der Nikolauskirche von Klerant, Südtirol Copyright: https://wildmohnfrau.blogspot.com/2017/10/unsere-liebe-frau.html
Drei Bethen in der Nikolauskirche von Klerant (Bildquelle)

wurde zur Schirmherrin und Namensgeberin des Samstags. Ihre Nachfolgerin im christkatholischen Kult war die heilige Anna, Mutter der Jungfrau Maria. Maria war der Samstag, damals Sambeztac oder S’ambaztac genannt, besonders heilig. Als Anna wurde Ambeth zur Patronin der Schwangeren und Gebärenden sowie Schutzheiligen der Bergleute. Eine weitere Entsprechung findet sich in Gestalt der Märtyrerin Margarethe, einer der drei heiligen Madln und auch Balthasar als «König der Hilfe und des Schutzes» ist wahrscheinlich von Ambeth inspiriert.

Borbeth (Barbara, Melchior)

ist die mütterliche Sonne. Sie hat den Sonntag geprägt; ihretwegen blieb es im deutschen Sprachraum beim Sonntag im Gegensatz zu romanischen Ländern, wo der Tag des Herrn («dominus») z.B. als dimanche oder domenica bezeichnet wird. Ihre christliche Entsprechung ist die Hl. Barbara, «die die Sonne auf der Brust trägt». Melchior als «König des Lichts» geht vermutlich auf Borbet zurück.

Wilbeth (Katharina, Caspar)

Ihr wird der Montag zugeordnet, entsprechend ihrer Rolle als Mondmutter. Wilbeth war die Herrin des eigentlichen Lebensborns oder auch Lebensrads (interessant in diesem Zusammenhang die phonetische Parallele von «Wil-» zum engl. «wheel» für Rad). Von ihr hing Wachsen und Gedeihen und keimendes Leben in Mensch, Tier und Pflanze ab. Das dritte heilige Madl, Katharina, ist mit ihr verknüpft. Caspar als «König des Schatzes» scheint ihrer Rolle am besten zu entsprechen.

«Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl.»

Dieser volkstümliche Merkspruch zur Einprägung der Heiligen und ihrer Attribute scheint obige Auslegung – auf Wikipedia auch als «Deutung moderner esoterischer Strömungen» bezeichnet – zumindest zu zwei Dritteln zu stützen, wenn man den erwähnten Wurm mit Erde/Höhle/Kind in der Gebärmutter assoziiert und das «Radl» mit dem Lebensrad ; ) Interessant sind solche Vergleiche allemal, was auch immer man davon halten mag.

Übrigens:

Was die in katholischen Gegenden heute noch übliche Segenszeichen mit Kreide am Türstock angeht, so weisen gewisse Quellen auf einen kleinen, aber wichtigen Unterschied zwischen den drei Herren aus dem Morgenland und den drei ehemaligen Muttergöttinnen hin: Zwischen den Segenszeichen der «Heiligen drei Madln» findet sich nicht das Kreuz als Zeichen des Todes, sondern das x als Zeichen des Lebens: Ein hoffnungsfrohes Öffnen hin zur Erde und zum Himmel wie bei der Gebärhaltung.

K + M + B
K x M x B

Ein gesegnetes Neues Jahr euch allen!


Quellen:
https://www.flowbirthing.de/drei-heilige-madln, https://artedea.net/bethen-die-heiligen-drei-madln/, «Weib und Macht», R. Fester et al., https://www.weihnachtszeit.net/weihnachten/heilige-drei-koenige/, https://de.wikipedia.org/wiki/Raunacht#Wahrsagen_und_sprechende_Tiere

Comments
One Response to “Von Königen und heiligen Frauen”
  1. regulalas sagt:

    Liebe Monika

    Das ist wieder einmal super intetessant! Vielen herzlichen Dank! Auch dir ein gesegnetes neues Jahr!

    Lieber Gruss, Regula

    Von Regulas iPhone gesendet

    >

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