Grüne Antibiotika

Grün und heilkräftig: Pflanzliche Antibiotika

Bereits zum dritten Mal begeht die Welt die „Antibiotics Awareness Week„. Der öffentliche Aufruf zu einem sorgfältigeren Umgang mit Antibiotika unterstreicht deutlich: Das Thema „Antibiotika-Resistenz“ ist brisant und betrifft uns alle – und genau deshalb planen wir im Rahmen unseres Permakultur-Projekts auch einen Heilpflanzengarten mit Fokus auf grüne Antibiotika.

Vom Aufstieg & Fall einer Wunderwaffe

Als Alexander Fleming 1928 eher zufällig Penicillin entdeckte, brach in der Medizin eine neue Ära an. Endlich standen hochwirksame Mittel zur Verfügung, um Infektionen wie Lungenentzündungen oder Harnwegsinfektionen zu bekämpfen. Schon bald wurden weitere Antibiotika entdeckt, es schien, als ob der Gesundheit der Menschheit eine goldene Zukunft bevorstehe…

Resistenz – ein neues Phänomen?

Mit Antibiotikaresistenz wird die Fähigkeit einiger Bakterien bezeichnet, sich anzupassen und der Wirkung von Antibiotika zu widerstehen. Resistent werden also nicht die Menschen, sondern die Bakterien. Resistente Bakterien können sich vermehren und sich von einer Person auf andere übertragen. Solche Krankheitserreger können die Behandlung einer Infektion erschweren, verlängern oder im schlimmsten  Fall sogar verunmöglichen.

Der Traum einer goldenen Zukunft erhielt schon relativ früh einen Dämpfer: Erste antibiotikaresistente Bakterien tauchten nämlich bereits vier Jahr vor der Marktzulassung von Penicillin auf! Alexander Fleming selbst mahnte in seiner Nobelpreis-Rede 1945, dass mit Penicillin sorgsam umzugehen sei, denn der Staphylococcus sei ein „sehr cleverer Organismus“.

Der heute als MRSA berühmt-berüchtigte Staphylokokkenstamm (Methicillin-resistant staphylococcus aureus) wurde 1959 erstmals isoliert. 1998 erschien in der Fachzeitschrift „The Lancet“ ein Beitrag über Vancomycin-resistente Staphylokokken. Der Titel des Beitrags? „Apocalypse Now“ – und das ist nicht einmal übertrieben, denn: Ohne Antibiotika werden viele derzeit gut behandelbare Infektionen wieder zu einer tödlichen Gefahr und auch operative Eingriffe werden deutlich riskanter… (wer’s mit Humor zur Kenntnis nimmt, sollte eindeutig erwägen, sich demnächst im Hive in Zürich an einem munteren Spielrausch-Abend zu beteiligen und dort beim Seuchen-Quartett mitzumischen ; -).

Gründe für die Zunahme resistenter Keime 

  • Antibiotika haben einen vergleichsweise simplen Wirk-Mechanismus. Die über Jahrmillionen entwickelten Keime, die sie bekämpfen sollen, sind demgegenüber mit allen Wassern gewaschen und verfügen über ausgeklügelte Abwehrstrategien.
  • Antibiotika werden zu breit eingesetzt d.h. von vielen Ärztinnen und Ärzten zu leichtfertig verschrieben. Oft wird auch kein Antibiogramm erstellt, um die bakterielle Infektion vor Abgabe eines Rezepts mittels Labortest zu bestätigen. Hinzu kommt, dass vielen Anwendern zu wenig bewusst ist, dass Antibiotika nur gegen bakterielle Entzündungen helfen; ist die Infektion wie bei einer Erkältung oder Grippe von einem Virus verursacht, bleiben Antibiotika wirkungslos.
  • Antibiotika werden falsch eingenommen. Oft geht zuhause die Einnahme des verschriebenen Antibiotikums vergessen, sobald der Patient sich besser fühlt. Die zu schwache Dosis ist aus Sicht der Bakterien perfekt, denn so können sie lernen, das Antibiotikum auszuhebeln. Das Ergebnis? Resistenz.
  • Antibiotika werden auch in der Landwirtschaft in grossen Mengen eingesetzt. Spuren von Antibiotika sind in vielen Lebensmitteln enthalten und es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die Landwirtschaft mitverantwortlich ist für die Ausbreitung antibiotikaresistenter Keime.

Lage spitzt sich zu

Mittlerweile ist klar: Wir haben ein ernstes Problem. In der EU sterben jedes Jahr gemäss Schätzungen 25’000 Personen, die Zahl der Resistenzen nimmt zu. Auch in der Schweiz sterben deswegen jedes Jahr Menschen und Tiere, die genaue Zahl ist jedoch unklar. Bei schweren bakteriellen Infekten waren Antibiotika bisher oft lebensrettend – diese Behandlungsoption könnte nachfolgenden Generationen zukünftig verwehrt sein.

Stinken für einen guten Zweck: Knoblauch wirkt antibiotisch!

Zurück auf Feld 1? Vorhang auf für grüne Antibiotika!

Nicht immer brauchen wir unbedingt ein chemisches Antibiotikum. Viele Infekte lassen sich auch mit antibiotisch wirksamen Pflanzen behandeln – und das erst noch ohne Nebenwirkungen. Bei leichten bis mittelschweren Infektionen lohnt es sich, zuerst die Bekämpfung der Keime mit natürlichen Stoffen zu versuchen. Auch die Kombination pflanzlicher und chemischer Antibiotika bietet in einem zweiten Schritt vielversprechende Ansätze.

Heilpflanzen unterstützen das Immunsystem, statt es zusätzlich zu schwächen (wie dies bei chemischen Antibiotika der Fall ist, welche die körpereigene Darmflora angreifen und wo zusätzlich das Risiko besteht, dass der Erreger resistent wird). Allerdings gilt es zu beachten, dass „natürlich“ keinesfalls gleichbedeutend ist mit „ungefährlich“! Bei Pflanzenheilmitteln ist weniger oft mehr, und auch hier gilt es mögliche Unverträglichkeiten zu beachten.

Wirkstoff-Gruppen pflanzlicher Antibiotika

Für wissenschaftlich Interessierte, seien nachfolgend kurz die wichtigsten Wirkstoff-Gruppen der Naturheilkunde erwähnt:

Fougerettes Heilpflanzengarten: ein Schatzkästlein der Natur

Welche Heilpflanzen konkret in unserem Heilgarten stehen sollen, sind wir derzeit am Ausknobeln. Die Heilpraktikerin und Dozentin für Heilpraktik, Phyto- und Aromatherapie, Aruna M. Siewert (Autorin des Buchs „Pflanzliche Antibiotika, Geheimwaffen aus der Natur„) listet in ihrer kleinen Heilplflanzen-Apotheke folgende Namen auf:

  • Birkenblätter

    Ein kräftiger Ingwer-Tee stärkt das Immunsystem

  • Goldrute
  • Kamille
  • Kapuzinerkresse
  • Odermennig
  • Pfefferminze
  • Salbei
  • Schafgarbe
  • Sonnenhut
  • Thymian
  • Melisse
  • frischen Knoblauch
  • frische Zwiebeln
  • sowie Aloe Vera und Propolis

Dr. med. Eberhard J. Wormer, Arzt und Autor des Ratgebers „Grüne Antibiotika, Heilkräftige Medizin aus dem Pflanzenreich“, sieht in der antibiotischen Wirkung vieler Heilpflanzen und Pilze die letzte Chance gegen MRSA und andere resistente Krankheitskeime. Aus seiner Sicht sind die wirksamsten grünen Antibiotika:

  • Cryptolepis
  • Sida
  • Beifuß
  • Echinacea
  • Ingwer
  • Honig
  • Vitamin D

Wormer vertritt die Meinung, dass sich Patienten heute grundsätzlich von der Einstellung verabschieden müssten, dass sie ihre gesundheitlichen Probleme durch Schlucken einer Pille innerhalb weniger Tage in den Griff bekämen:

„Wer sich grünen Antibiotika zuwendet, vertraut der Kraft der Natur und seinen Selbstheilungskräften. Er wird ein bisschen Geduld benötigen. Das wichtigste Ziel der grünen Antibiotika-Therapie ist der Aufbau und Erhalt eines robusten und leistungsfähigen Immunsystems – und das geht nicht von heute auf morgen. Ist aber dieses Ziel erreicht, haben selbst resistente Keime keine Chance.“

zeigt sich Dr. Wormer überzeugt.

Klingt gut? Finden wir auch! Gerne halten wir Dich auf dem Laufenden, wie es mit unserem Heilpflanzen-Garten weiter geht, und wünschen Dir einen gesunden Winter!

 

Quellen & Weiterführende Links:

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