Virtuelle Seifenblasen

bubbleVor einem Jahr traten die neuen Nutzungsbedingungen von Facebook in Kraft, gegen die Datenschützer vor allem auch deshalb Sturm liefen, weil kein Widerspruch möglich ist. Ungeschönt auf den Punkt gebracht lautet die Devise „Vogel friss oder stirb!“ d.h. die einzige Form des effektiven Protests ist es, sein Konto zu löschen. Facebook ist allerdings lediglich die Spitze des Eisbergs, wenn man sich vertieft mit dem Thema befasst…

Privatsphäre und unabhängiges Denken im digitalen Zeitalter sind allerdings nicht erst ein Thema, seit die Social-Media-Giganten mitmischen. Bereits 1996 lancierte der Amerikaner John Perry Barlow am Weltwirtschaftsforum in Davos die Unabhängigkeitserklärung „A Declaration of The Independence of Cyberspace„, zu der in der NZZ ein sehr lesenswerter Artikel des Medienwissenschaftlers Prof. Dr. Bernhard Dotzler erschienen ist (s. „Vom Unbehagen im Netz„). Die Unabhängigkeitserklärung selber beginnt mit folgender Präambel:

„Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather.“

Regierungen der indsutriellen Welt, ihr abgekämpften Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, dem neuen Zuhause des Bewusstseins und des Verstandes. Im Namen der Zukunft bitte ich euch Vertreter der Vergangenheit, uns alleine zu lassen. Ihr seid nicht willkommen unter uns. Dort, wo wir uns treffen, besitzt ihr keine Souveränität.

Echt jetzt?!

Schöne neue Welt der Such(t)maschinen

Die Realität sieht anders aus. Auch wenn der Nationalstaat in den grenzenlosen Weiten des Cyberspace ein Auslaufmodell ist, hält dies Regierungsbehörden nicht davon ab, an vorderster Front mitzutun. Die Rolle des Gesetzgebers übernehmen dort aber immer häufiger andere, zum Beispiel eben Facebook oder Google. Denn deren Wort bzw. die im Alleingang und damit souverän erlassenen Nutzungsbedingungen werden im Internet auch ohne demokratisch legitimiertes Verfahren schnell zu Gesetz.

Vielleicht ist Dir schon längst klar, dass Google die Suchergebnisse zu einem gewissen Suchbegriff nach Deinen persönlichen Vorlieben filtert. Vielleicht aber auch nicht. Tatsache ist: Wir verbringen immer mehr Zeit am Computer. Und je nachdem, was wir im Internet so treiben (besuchte Seiten, eingegebene Suchbegriffe, angeklickte Links und Bilder etc.), wird Google Dir andere Links anzeigen als Menschen, die den genau gleichen Suchbegriff eingegeben haben, aber eben sonst andere Seiten, Links und Bilder anklicken als Du. Google filtert die Resultate so, dass sie möglichst gut zu Deinem Online Profil passen.

Unabhängigkeit und Datenschutz vs. Relevanz

Die Websites http://dontbubble.us und http://donttrack.us mögen Werbung in eigener Sache der Suchmaschine https://duckduckgo.com sein, doch sie regen definitiv zum Nachdenken an. Zum Schmunzeln übrigens auch, wenn etwa das Ergebnis auf die Einstiegsfrage „Was ich seit meinem Abschluss gemacht habe?“ lautet: 100% Internet. Letztlich entscheidest Du selbst, wie wichtig Dir Objektivität und Privatsphäre im Vergleich zur höheren Relevanz der Suchergebnisse und angezeigten Werbung ist. Das scheint die jüngere Generation beispielsweise wesentlich entspannter zu sehen.

Für Kritische oder Neugierige hier dennoch der Hinweis auf den Verein www.digitalcourage.de, die App „TrackMeNot“ und die interaktive, personalisierte, web-basierte Dokfilm-Serie https://donottrack-doc.com/ über Datenschutz (u.a. von Arte finanziert). Informativ und wirklich sehenswert, denn nach der Anmeldung erlebst Du direkt am Bildschirm, was „das Internet“ alles über Dich weiss!

Die ideologische Brille

Noch einen weiteren Aspekt spricht der schwedische Journalist und Buchautor Andreas Ekström an, nämlich die Werturteile, die auch hinter mathematischen (und somit logisch eigentlich unbestechlichen) Algorithmen stecken. Ein interessanter TED-Vortrag mit dem Titel „The Moral Bias Behind Search Engine Results„:

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Comments
One Response to “Virtuelle Seifenblasen”
  1. Regula Obi-Hottinger sagt:

    Liebe Monika, lieber Nicola

    Ich weiss nicht, ob ich etwas verpasst habe oder noch kein Mail kam. Ich würde gerne die Termine für den Garten anschauen und mich so gut es geht mal eintragen.

    Lieben Gruss Regula

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