Meet Michi Kistler

Der Umweltberater Michi Kistler hat im Rahmen der Ferien(s)pass-Woche 2015 den Workshop Konsumfluch(t) angeboten. Die TeilnehmerInnen erforschten dabei gemeinsam, wie sie ihr Leben nachhaltiger gestalten können und Du darfst jetzt gleich auch von ein paar wertvollen Tipps vom Fachmann profitieren.

Portrait Michi Kistler

Michi, wie definierst Du für Dich persönlich Nachhaltigkeit?

Ein langfristiges Gleichgewicht von Ökologie, Sozialwesen und Wirtschaftlichkeit. Für mich persönlich erweitere ich dies mit Transparenz, körperlicher, geistiger, psychischer und spiritueller Gesundheit und kulturellem gesellschaftlichem Nutzen. Das wäre dann ganzheitlich.

Wie wird man überhaupt Nachhaltigkeitsberater? War das schon immer Dein Traumberuf?

Ungerechtigkeit, Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur machten mich schon als Teenager wütend und traurig. Weil mich der sorgfältige Umgang mit Pflanzen, Tieren und Menschen beschäftigte, war ich bereits auf diverse Umwelt- und Fairness-Themen sensibilisiert. Im Lehrgang Umweltberatung und -Kommunikation des WWF Bildungszentrums habe ich mir dann das nötige wissenschaftliche Rüstzeug für meinen jetzigen Beruf geholt.

Für wen bzw. wann ist eine Nachhaltigkeitsberatung sinnvoll?

Sinnvoll ist eine Beratung immer dann, wenn ein Umbau ansteht, Isolationsmassnahmen ergriffen oder ein Heizungsersatz beschafft werden soll, denn ein guter Nachhaltigkeitsberater kennt sich auch mit Fördergeldern und Steuereinsparungen aus. Eine Nachhaltigkeitsberatung ist auch dann sinnvoll, wenn jemand wissen möchte, wie das eigene Verhalten zu einer umweltfreundlichen und gerechteren Welt beitragen kann. Alle Menschen, die in einer Konsumgesellschaften leben, haben Sparpotential – auch bei mir selbst sehe ich da noch viele Möglichkeiten! Da jeder Mensch andere Prioriäten setzt, sind meine Umweltberatungen modular aufgebaut.

Was kostet so eine Beratung? Und wie viel kann ein 4-Personen-Haushalt dadurch sparen?

Eine ganz einfache Beratung gibt es ab CHF 450. Bei einer erfolgreichen Beratung wird dieser Betrag rasch wieder eingespart: Der durchschnittliche Stromverbrauch eines 5 Zimmer Einfamilienhaus in der Schweiz liegt bei ca. 7500 KwH = CHF 1600 pro Jahr. Mit einfachen Einsparungsmöglichkeiten liegt das Potential bei ca. 1/3 des normalen Verbrauchs. Das heisst: In diesem Zeitraum können auch rund CHF 400 eingespart werden. Dieser Betrag ist jedoch sehr variabel. Moderne Häuser benötigen ja nur noch den Bruchteil dieses Energieverbrauchs.

Die wichtigsten unerkannten Energieräuber?

Ganz klar die Elektro-Boiler! Es macht kein Sinn, Wärme mit Strom zu erzeugen. Wärme sollte unbedingt mit brennbaren Energiequellen wie Holz, Sonne, Wärmepumpe oder Gas erzeugt werden. Für Mieter stehen alte Glühbirnen auf Platz Nummer 1, gefolgt von den Bereichen Waschen/Trocknen, Kühlen/Gefrieren, Elektroheizgeräte sowie dem Stromverbrauch von Geräten im Standby-Modus.

Du hast dem Verein „Fou de Fougerette“ als Volontäreinsatz eine Nachhaltigkeitsberatung offeriert.

Ich kenne Nicola bereits aus der Jugendzeit und erzählte ihm irgendwann, dass ich Umweltberatungen für Hauseigentümer mache. Er war sofort interessiert, da er vermutete, dass Fougerette als grosses Anwesen auch entsprechend grosses Sparpotential bietet. Das ist ja auch tatsächlich so! Einerseits reduziert der sparsame Umgang mit Strom, Wasser und Heizwärme die Unterhaltskosten. Andererseits liegt dem Verein eine möglichst umwelt- und naturfreundliche, lebensbejahende Existenz am Herzen. Interessant war für mich vor allem die Frage nach dem Ersatz der alten Ölheizung. Der rund 20ha grosse Umschwung bietet verschiedene Möglichkeiten der Selbstversorgung mit nachwachsenden Rohostoffen wie etwa Holz oder China-Schilf.

„Fou de Fougerette“ steht auch für eine Prise Wahnwitz und den Glauben an seine Träume. Was war das Verrückteste, das Du in Deinem Leben bisher gemacht hast?

Nachts im Freibad nackt vom Fünfmeter Sprungturm ins Sternenmeer springen. Wer’s schon mal gemacht hat, weiss was ich meine (grinst).

Du bist nicht nur Nachhaltigkeitsberater, sondern als Ambossma auch Minnesänger, Querdenker und Stadtführer…

Stimmt. Leider kommen diese Bereiche derzeit etwas zu kurz. Diese Talente möchte ich unbedingt auch in meinen Alltag integrieren, aber das wird wohl noch etwas dauern…

Abschliessend gefragt: Was bringt Dich garantiert zum Lachen?

Schräge Musik oder Filme, zum Beispiel Beatallica oder Monty Phyton. Auch Anekdoten, welche das Leben schreibt und die einen trottelig dastehen lassen. Am besten lacht man noch immer über sich selbst!

Mehr über Michi Kistler erfährst Du auf seiner Website http://www.kistlerholistic.ch. Unter anderem findest Du dort auch Infos zum 1996 initiierten Umweltprojekt Die Zellgartensiedlung, das wohl damals seiner Zeit voraus war, denn heute ist ja Urban Gardening & Co. in aller Munde. Unbedingt anschauen, wir haben selber gleich Lust verspürt, zur Reanimation des Zellgartens beizutragen!

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