Meet Antoanetta Marinov / Air de Temps

AntoanettaMarinovAntoanetta Marinov ist eine der beiden Gewinnerinnen der Künstlerzimmer-Ausschreibung 2015. Sie hat im April und Juni an ihrem Konzept gearbeitet und ein im wahrsten Sinn des Wortes „bewegtes Zimmer“ hinterlassen (siehe Fotos des fertigen Zimmers). Die gebürtige Italienerin studierte zuerst in Rom, Reading und Freiburg Literaturwissenschaft, bevor sie die Kunstakademie Karlsruhe besuchte. Die Mutter eines fünfjährigen Sohnes lebt derzeit in Berlin und arbeitet künstlerisch ortsbezogen, mit dem Schwerpunkt öffentlicher Raum. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen (u.a. Galerie Stella A. in Berlin, Kunsthaus Baselland in Basel, Hippolyte Gallery in Helsinki). Zudem organisiert und kuratiert sie Ausstellungsprojekte: Als nächstes „Basically“ im Kunstraum L6, Freiburg.

Antoanetta, wie kam es überhaupt zu Deiner Projekteingabe für das Zimmer „Air de Temps“?

Die Ausschreibung des Wettbewerbs kam mir zugeflogen … Ein überzeugender und einladender Text. Begeistert von der Beschreibung Fougerettes wollte ich mit meiner Arbeit zum Ganzen beitragen und Teil dieses beeindruckenden Projekts sein. Das Zimmer „Air de Temps“ als Sinnbild des Zeitgeistes hat mich angesprochen und die Idee für den Raum kam ziemlich schnell, ja fast schon beim Lesen der Ausschreibung. Also habe ich mich mit meinem Konzept „Hier & Jetzt“ beworben, bin für die Präsentation extra von Berlin nach Zürich gefahren – und jubelte nach dem Entscheid der Vereinsmitglieder.

Du bezeichnest Dich selbst als „Konzept-Künstlerin“…

Ja, damit beziehe ich mich auf einen bestimmten Moment der Kunstgeschichte. Auf die ersten Konzept-KünstlerInnen. Unter denen befinden sich Haltungen und Positionen, zu denen ich Affinitäten feststelle. Gewiss, ich lebe woanders und meine Kunst stammt aus der heutigen Zeit und Gesellschaft, nur möchte ich aufzeigen, welche Fäden in meiner Hand zusammen laufen. Vermutlich ist dies eine Prägung aus meiner Biographie, denn in meiner Heimatstadt Latina war es ziemlich wesentlich, sich stets eindeutig zu positionieren: Rechts oder links? Links oder rechts? Vom kunsthistorischen Moment abgesehen, mag ich es, vom Konzept auszugehen bzw. vom Denken bzw. vom denkenden ICH. Ständig lebendig, in der Interaktion, ständig am assimilieren, reflektieren, sich produzieren. Kunst ist für mich évidemment auch etwas Räumliches, hat mit Zeit und Bewegung zu tun, daher die für mich relevante Frage „Wo befindet sie sich?“. Im Kunstobjekt, in seiner Aufladung durch den Kontext, in meinen Kopf, in der Behauptung, in der Betrachtung? Ich bin auf der Suche…

Welche Vorbilder oder auch Einflüsse prägen Dich?

Oh, da gibt es einige… (lacht)! Allen voran der subtile Humor bei Ernst Caramelle, die Creation permanente bei Robert Filliou, die monumentale Flüchtigkeit der Stimme bei Jenny Holzer und die Revolution bei Richard Serra. Meine Medizin für immer und immer wieder: das Schreiben (das ganze Schreiben) von Jimmie Durham.

Du hast im Schloss den Workshop „situative und raumbezogene Kunst“ angeboten. Worum ging es dabei?

Es ging darum, die Teilnehmenden für das zu begeistern, was mich begeistert. Wachsam sich an die Wirklichkeit herantasten, offen und mutig die eigene Antwort formulieren. Die Beschreibung fällt mir schwer, einfach ausprobieren beim nächsten Workshop!

Abschliessend gefragt, welche Arbeiten bieten einen repräsentativen Einblick in Dein Schaffen?

Im Moment arbeite ich an „Give & Take“ als Ort und Form für eine wesentliche Handlung. Das fing 2005 mit dem Vorschlag an die Stadt Freiburg an, ein plastisches Objekt als Monument für den Tausch im Stadtraum zu installieren („Der Geschenker“, Siegervorschlag des „Kunst am Bau“-Wettbewerbs, Rieselfeld Projekte, Freiburg). Die Idee kam im Zuge der Reflexion über einen Aspekt der Kunstproduktion. Ich sehe mich als Künstlerin in einem Zwischen-Ort, am Schaukeln zwischen der Assimilation der Wirklichkeit und der Wiedergabe der Wirklichkeit. Aus der ursprünglichen Idee hat sich ein Tausch-Schrank entwickelt, den ich mir am liebsten überall installiert vorstelle – meine aktuelle fixe Idee!

Weitere Werke umfassen zum Beispiel:

* „Magic Wands for sale“. 2008, zufällig (?) im gleichen Jahr der globalen Finanzkrise, habe ich Zauberstäbe auf einem öffentlichen Platz verkauft. Seitdem sammle, nummeriere und verteile ich Äste, die ich als zauberhaft deklariere. U.a. werden dabei Wert und Wertladung eines (Kunst)objektes thematisiert.

* „Mamma, che ore sono?“ sind zwei Arbeiten in einer. Einerseits der Titel: die Befragung oder Vergewisserung der eigenen Positionierung in der Linearität der Zeit. Und andererseits die Intervention an sich, die ich für meinen Ansatz als typisch erkenne: Ich weiss nicht genau, was das ist, es will da sein und bedient sich hauptsächlich der Materialien des umgebenden Raums.

* In „To Dice- Resonanzen des Suchens“ entstehen theoretisch endlose Kompositionen durch das Würfeln von verschiedenen Fundobjekten. Das Video dauert um die 5 Minuten, es wird im Loop gezeigt; abgesehen von leichten Variationen des Würfeltempos bleibt sich die Suche treu.

* „Joining“ ist eine Arbeit, die ich im öffentlichen Raum realisiere. Dabei laufe ich mit Passanten mit, bis sie es merken.

http://www.antomarinov.de

Abbildungen:

– „Give & Take“, Holz, Lack. Bocholt, 2015

– „Zauberstab, # 223“. Berlin 2015

– „Mamma che ore sono“, Wand, Zement, Kunststoff, Metall. Karlsuruhe, 2006

– „To dice – Resonanzen des Suchens“, Video, Karlsruhe, 2005 (link: https://vimeo.com/69795642)

– „Joining“, laufende Fotoserie, abgebildet: Paris, 2011

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