Zeugs & so

Wer die Zürcher Bahnhofstrasse entlang flaniert, sieht Läden über Läden – und überall in den Schaufenstern türmen sich die neusten Produkte, verlocken zum Kauf. Doch woher zum Gugger kommt das ganze Zeugs überhaupt?

The Story of Stuff.

Genau dieser Frage ging die Amerikanerin Annie Leonard nach. Leonard wollte mehr über die Herstellung von Produkten erfahren und begab sich auf eine zehnjährige Entdeckungsreise (wir begegneten der Reizüberflutung vor dem Verkaufsregal bisher pragmatisch mit der Idee einer 1:12 Initiative für Waschmittel…) Anschliessend startete sie das Filmprojekt The Story of Stuff. Ihr Video wurde zu einem Riesenerfolg, mittlerweile ist daraus ist eine weltweite Bürgerbewegung entstanden und das Story of Stuff-Project fordert uns auf, neue Wege einzuschlagen.

Für dumm verkauft?

Wenn ein Latte Macchiato in Zürich stolze CHF 7.50 kostet und ein T-Shirt bereits ab CHF 9.90 zu haben ist, was sagt uns das? Vielleicht, dass das T-Shirt auch nicht viel länger als 15 Minuten was taugt? Wie kommt es, dass Konsumgüter wie Möbel, die früher fürs ganze Leben gekauft wurden, heute ebenso starken saisonalen Trends unterworfen sind wie die Mode? Müssen Teebeutel einzeln abgepackt sein? Ist eine Kartoffel, die von A nach B transportiert wurde, wirklich mehr wert? Und ist es tatsächlich „günstiger“, wenn das für CHF 79.90 erstandene Zelt nach dem Open Air liegen gelassen wird anstatt es nach Hause zu schleppen – und wenn ja, für wen eigentlich?

Es ist höchst fragwürdig, ob diese Rechnung aufgeht. Tatsächlich scheint das System total aus den Fugen geraten, die Glaubwürdigkeit dahin. Rational ist die Preisgestaltung oft nicht  nachvollziehbar und manchmal befällt einen gar die dumpfe Befürchtung, dass auch die erfreulich zahlreichen „Bio/Fairtrade/Öko“-Labels  unter dem Strich nichts anderes als nett verhüllte Varianten des Spiels „Wie hoch kann ich meine Marge treiben?“ sind…

Unsere Welt ist rund

Bereits in den 1970er Jahren ging der Biochemiker, Umweltexperte und Vater des „vernetzten Denkens“, Dr. Frederic Vester, der Frage nach, was passiert, wenn lineare Ansätze auf geschlossene Systeme prallen, die eigentlich nach Kreisläufen verlangen. Leider ist das vorherrschende Wirtschaftsmodell noch immer linear und allein darauf ausgerichtet, immer schneller immer mehr zu verkaufen. Annie Leonard erklärt die Zusammenhänge so:

 

Um zu erfahren, welche Glaubenssätze Dein persönliches Handeln bestimmen, beantworte nachstehend unser wissenschaftlich in keinster Weise fundiertes Persönlichkeitsquiz:

Wer entscheidet in Sachen Zeugs, was läuft?

      1. Glasklarer Fall: I’ve got the power! (Gruss an den gleichnamigen Refrain von Snap)
      2. Die Grosskonzerne haben zu viel Macht, da kann man nichts machen, ich bin halt nur ein… (Gruss an die tollen WWF-Plakate von Spinas Civil Voices)
      3. We are the world! Gemeinsam können wir unglaublich viel bewegen. (Gruss an die gleichnamige Charity Single von Michael Jackson und Lionel Richie)
  • Antwort 1. Du bist kompromisslos, subversiv und bereit zu radikalen Veränderungen. Wenn Du über Dein aktuelles politisches Steckenpferd referierst, glimmt ein irrer Funke in Deinen Augen. Höchstwahrscheinlich wird Dein Handy seit Jahren abgehört und Du bewegst Dich mit Deinen Nacht- & Nebel-Aktionen staatsbürgerlich auf dünnem Eis. Dennoch: Du bist ein Macher-Typ, wenn auch mit leicht diktatorischen Zügen.
  • Antwort 2. Du leidest seit Deiner Kindheit am David gegen Goliath-Syndrom und trägst das gefürchtete Waschlappen-Gen in Dir. Zwar findest Du überall ein Haar in der Suppe und zerreisst Dir innerlich gerne das Maul über die Misstände in der Welt, doch Dein Mut verlässt Dich spätestens dann, wenn Dich jemand nach Deiner Meinung fragt.
  • Antwort 3. Du sehnst Dich nach globaler Harmonie, glaubst an das Gute im Menschen und bemühst Dich, mit Deinen wohldurchdachten Handlungen möglichst wenig Schaden anzurichten. Ganz abgesehen davon, dass Dir soziale Ungerechtigkeit ein Dorn im Auge ist, bist Du der geborene Networker und weisst, wie Du Dinge ins Rollen bringst. Aber Obacht: Wenn Du Deine Anliegen nicht in konkrete Handlungen transformierst, besteht die Gefahr dass Du zum Typus des „ewigen Kongress-Gängers“ mutierst…

Hä, Capannori?

Ausgerechnet eine italienisches Kaff tritt den Beweis an, dass die Bürgerinnen und Bürger die Zügel in die Hand nehmen und nachhaltige Veränderungen bewirken können: Capannori in der Toscana ist heute ein Zero Waste Champion und betreibt seit 2010 das europaweit erste Forschungslabor für Zero Waste.

Wäre doch toll, wenn man auch in Zürich (oder in Etang sur Arroux!) im Laden eigene Behälter nachfüllen könnte, anstatt ökologisch unsinnigen Verpackungswahnsinn mitzufinanzieren!

Wer ist dabei? Oder gibt’s schon sowas?

P.S.:
Über Konsumfluch(t) nachdenken und mit Gleichgesinnten diskutieren kannst Du übrigens während der Ferienspass-Woche auf Foguerette vom 18.-26. Juli!

 

Weiterführende Links

… und natürlich noch unzählige mehr. Input willkommen!

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