Beeindruckend barfuss

Wer sich die absolute Hoffnungslosigkeit, die in vielen ländlichen Gegenden auf dieser Erde herrscht, vor Augen führt, kann an einem trüben Tag durchaus zum Schluss kommen, dass auf diesem Planeten Hopfen und Malz verloren sind… Umso beeindruckender ist es, wenn dann irgendjemand von einem Projekt wie dem Barefoot College erzählt, das ohne (Pl-)Attitüden einen Weg aus der Armut aufzeigt. In solchen Momenten kann man nur ehrfürchtig staunen, wie viel eine einzige Idee bewegen kann!

Grossmütter als Solar-Ingenieurinnen

Wie bitte?! Ja, Du hast richtig gelesen. Das 1972 von Bunker Roy gegründete Barefoot College in Indien ist die „Universität der Armen“. Es hat hunderte von Frauen aus armen ländlichen Gegenden, die kaum oder gar nicht lesen und schreiben können beigebracht, wie sie Solarzellen und -batterien installieren, wie sie diese warten und reparieren und damit das Leben in ihren abgelegenen Dörfern auf immer verändern können. Diese Frauen haben sogar weitere Frauen aus umliegenden Dörfern ausgebildet! Der Grundgedanke hinter diesem unglaublichen Projekt: Empowering Women as agents of sustainable change d.h. Frauen dazu befähigen, nachhaltige Veränderungen zu bewirken.

Interesse am Gemeinwohl als Erfolgsgarant

Das Barefoot College bildet Frauen und Männer aus. Die Kurse für Solar-Ingenieure wurden in den 1990ern gestartet und die Studierenden kamen aus ganz Indien; Sprachbarrieren waren kein Problem, denn die Ausbildung orientierte sich an Form und Farbe der Komponenten und der Unterricht wurde mimisch-nachahmend konzipiert. Etwas überrascht stellte man dabei fest, dass die besten Kandidatinnen für eine Ausbildung Frauen im mittleren Alter sind, von denen die meisten bereits Grossmütter waren. Warum? „Weil ungebildete Grossmütter bescheiden sind und weil es einfach ist, sie zu unterrichten. Grossmütter haben ein ausgeprägtes Interesse an ihrem Dorf und verspüren nicht den Wunsch, an einen anderen Ort zu ziehen. Gib‘ einem Jugendlichen eine Ausbildung und er macht sich auf den Weg in die Stadt, um einen besseren Job zu finden.“, formuliert Gründer Bunker Roy seine Erkenntnis.

Technologie gehört in die Hände der Gemeinschaft, die sie nutzt

Am Barefoot College ist man davon überzeugt, dass die Dorfgemeinschaft dahingegend sensibilisiert werden muss, dass sie Technologie aktiv managt, kontrolliert und in Besitz nimmt („take ownership“). Auch ärmste Dorfgemeinschaften können ihre eigene Solar-Ausrüstung betreiben, wenn sie wissen, wie sie das Material im Dorf selbst bereitstellen und warten/reparieren können.

Die Zahlen sprechen für sich

Bis Ende 2007 installierten indische Barfuss-IngenieurInnen – ganz ohne Hilfe städtischer Fachkräfte – 8,700 Solar-Einheiten, welche täglich 500 kilowatts (kW) generieren, und stellten 4,100 Solarlampen her. 574 Weiler und Dörfer (um die 100,000 Menschen) sowie 870 Schulen verfügen nun über Solarstrom. Im abgelegenen Himalaya installierten 270 Absolventen der Barefoot College, darunter 57 ungebildete Landfrauen, 16 Solarkraftwerke mit einer Leistung von je 2.5 kW. Die Frauen stellten 40 Parabol-Solarkocher und 71 solarbetriebene Boiler her, und riefen gemeinsam mit anderen 23 Elektro-Werkstätten ins Leben.

Aber genug der Schwärmerei, wir lassen hiermit diese schlicht geniale Idee gleich vom Gründer selbst erklären (und falls Du Lust hast, darüber nachzudenken, wie Dein Beitrag aussehen könnte, dann empfehlen wir Dir den Workshop „Konsumfluch(t)“ während unserer Ferienspass-Woche!):

 

Einen ausführlichen Artikel zum Projekt findest Du zudem hier (auf Englisch): http://www.wipo.int/wipo_magazine/en/2009/03/article_0002.html

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  1. […] Auswirkung haben. Eine tragische Wende für ein Projekt, das ursprünglich genau wie das wunderbare Barefoot College antrat, um Frauen und ihren Familien einen Weg aus der Armut zu […]



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