Dé-chêne-é…

Quercus cerrisWir erlauben uns ein kleines Wortspiel, da wir unseren Traum im Land der Eichen (frz. chêne, lat. quercus) entfesselt haben: Den Park und überhaupt den ganzen Landstrich zieren zahlreiche Baumriesen, die mit ihren imposanten Stämmen und Kronen ganz einfach Ehrfurcht gebieten. Tatsächlich ist die Eiche DAS Aushängeschild der hiesigen Forstwirtschaft und bedeckt über 400’000 ha des in Privatbesitz befindlichen Waldes.

Symbol der Ewigkeit. Eichen besassen schon im Altertum eine grosse Symbolkraft. Ihr hartes Holz und ihr spät fallendes Laub machten sie zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. Ein Eichenleben umfasst etwa 30 Menschengenerationen, die älteste Eiche in Europa soll die 1000-jährige Eiche Bad Blumau sein. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik (Friedrich Gottlieb Klopstock), gilt die Eiche als Symbol der Treue, weshalb Eichenlaub oft auf Orden zu sehen ist.

Mythologie. Bei den verschiedenen Völkern in ihrem Verbreitungsgebiet wurde dieser Baum früh mit blitztragenden Göttern oder Götterfürsten in Verbindung gebracht, was der Volksmund im (wissenschaftlich allerdings nicht belegten) Sprichwort „Von den Eichen sollst Du weichen, die Buchen sollst Du suchen“ zum Ausdruck bringt:
  • Bei den alten Griechen galt die Eiche als Baum des Zeus. In der antiken Stadt Dodona in Epirus befand sich das Eichenorakel, wo drei weiss gekleidete Frauen aus dem Rauschen der Blätter der heiligen Eichen die Stimme des Göttervaters vernahmen. Die ebenfalls der griechischen Mythologie entstammenden Waldnymphen, die Dryaden, verdanken ihren Namen dem griechischen Wort drys für Eiche.
  • Bei den Kelten war die Eiche ebenfalls der Baum des Himmelsherrschers und Wettergottes Taranis. Durch den römischen Geschichtsschreiber Plinius d. Ä. (23/24 – 79 n.Chr.) ist überliefert worden, dass die Kelten ohne Eichenlaub gar keine kultischen Handlungen vollzogen. Die sakrale Bedeutung der Eichen für die Kelten ist auch daran zu erkennen, dass das keltische Wort für Priester (Druide) von duir (Eiche) abgeleitet ist. Auch die Wörter Türe und Tor haben ihren Ursprung im keltischen duir. Reine Fiktion ist hingegen der sogennannte „Keltische Baumkreis“: Die heute bekannteste Form dieses Horoskops geht vermutlich auf eine Artikelserie der französischen Journalistin Paula Delsol zurück, die 1971 im Auftrag des Mode- und Lifestyle-Magazins „Marie Claire“ eine Reihe von Horoskopsystemen erfand, die „alten“ Kulturen nachempfunden waren.
  • In der nordischen Mythologie ist die Eiche dem Donner- und Kriegsgott Thor geweiht. Bei den Germanenstämmen Mitteleuropas wurde er Donar genannt. Der Legende nach fährt dieser mit einem Ziegenkarren über den Himmel, wodurch der Donner entsteht und schickt Blitze zur Erde. Nach ihm ist der Donnerstag benannt, der im Schwedischen entsprechend torsdag heisst. Die Eiche vereinte beide Geschlechteraspekte in sich. Den männlichen in der Symbolik von Kraft, Ruhm und Stolz im Donnergott und den weiblichen in der indogermanische Urmutter Ana, die Mensch und Tier mit ihren Eicheln nährt. Der Legende nach wurde der erste Mensch aus einer Eiche geboren. Die Germanen verehrten ihre Götter im Wald, der ursprünglich 90 Prozent ihres Siedlungsgebietes bedeckte. Es gab heilige Eichenhaine, in denen den Göttern geopfert wurde und die von Unbefugten nicht betreten werden durften.

Nutzung. Neben ihrer mythischen Bedeutung spielt die Eiche ebenfalls seit der Antike als Heilpflanze eine Rolle. Heilkundige schätzten die Rinde schon vor tausenden von Jahren als blutstillendes Mittel. Bis ins 18. Jahrhundert war die Eiche zudem die wichtigste Wirtschaftsbaumart nördlich der Alpen und wurde entsprechend gefördert. Mit der industriellen und landwirtschaftlichen Revolution verlor sie aber rasch an Bedeutung. Insbesondere im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Eichenwälder der enormen Nachfrage nach Schwellenholz für den Eisenbahnbau geopfert. Das Eichenvorkommen verringerte sich ständig. Als Resultat dieser Entwicklung beträgt heute der Anteil der Eiche am Holzvorrat des Schweizer Waldes gerade noch 2%, was 2001 den Verein „Pro Quercus“ auf den Plan gerufen hat.

Und was das alles mit Fougerette zu tun hat?

Ganz abgesehen davon, dass wie eingangs erwähnt zahlreiche Eichen im und rund um den Park stehen, war die Comtesse de Ganay offenbar eine grosse Baumliebhaberin! Dazu zwei Anekdoten: Erstens soll Madame la Comtesse es vorgezogen haben, ein ganzes Stallgebäude abzureissen und neu aufzubauen anstatt einen störenden Baum zu fällen. Zweitens blieb sie diesem Grundsatz auch beim (Neu-)Bau von Fougerette treu und verfügte, dass vor dem Aufschütten des Terrains alle Eichen im Park mit Ziegelsteinmauern vor etwaigen Schäden geschützt werden sollten. Uns selber entspricht die Rolle als „Hüter“ wesentlich besser als diejenige des „Eigentümers“… Wir hoffen sehr, dass es uns gelingt, das reiche Baumerbe für zukünftige Generationen zu erhalten und den Park wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Mit Nicola als botanischem Gärtner steht dafür sicherlich der richtige Mann am Start : )

Quellenangaben/-verweise: 

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Comments
One Response to “Dé-chêne-é…”
  1. René Obi sagt:

    Auf die zukünftige Gestaltung des riesigen und wunderbaren Parks darf man gespannt sein. Ich freue mich, spätestens in den Frühlingsferien, bei der Umsetzung von Nicolas Plänen mithelfen zu dürfen. 🙂

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